Einsatz für den nächsten Simon Ammann
Als Zentrum mit Ganzjahresbetrieb ist die Nordic Arena Kandersteg perfekt, um dem Skisprung-Nachwuchs zu Höhenflügen zu verhelfen. Doch dafür müssen alle viel leisten – auf und neben den Schanzen, weiss Betriebsleiter Beat Ritter.
Benjamin Haltmeier
Seit den 1920er-Jahren stehen in Kandersteg Sprungschanzen. «Gleich alt ist die Freude von einheimischen Kindern und Jugendlichen an der Herausforderung, immer höher und weiter zu springen», sagt Beat Ritter. Der heutige Betriebsleiter der Nordic Arena war von 1990 bis 1998 selber Nordisch Kombinierer und weiss, was die Faszination des Skispringens ausmacht: «Die Möglichkeit, mit dem eigenen Körper als Tragfläche das Gefühl des Fliegens erleben zu können.» Die Normen für Schanzen, Anzüge, Skier und die Bindungen mögen sich seit damals gewandelt haben. Für die AthletInnen hat sich sonst aber nicht viel geändert – nach wie vor sind Mut, Konzentration und ein gutes Körpergefühl gefragt, um weit durch die Luft des Kandertals segeln zu können.
Neues Idol gesucht
Heute präsentiert sich die Nordic Arena östlich des Dorfeingangs von Kandersteg als Ort, der gerade der Nachwuchsförderung eine starke Plattform bieten soll. Sechs bis acht Sprünge pro Training absolvieren Jungtalente zu Füssen des Bire-Gipfels durchschnittlich, wobei sie sich immer wieder per Funk mit ihrem Trainer austauschen. Zusammen mit den Wettkämpfen kommen so weit über zehntausend Sprünge pro Jahr auf den vier Schanzen zusammen. Dennoch ist es gar nicht so einfach, auf regionaler und nationaler Ebene mehr Junge für die Sportart zu begeistern, weiss Ritter: Denn dafür brauche es unter anderem ein hohes Mass an Engagement und Flexibilität der Eltern, Bezugspersonen im selben Alter oder Kampagnen an den Schulen. Günstig wäre aber auch «ein neues Idol, wie es Simon Ammann zu Zeiten seiner Olympiasiege war».
Anpacken im Schanzenbereich
Die Nordic Arena gehört zu den wenigen Schweizer Anlagen, die ganzjährig zum Skispringen genutzt werden können. Damit der Nachwuchs Schanzen mit einem guten Anfahrgefühl, einer regelmässigen Flugkurve und einer sicheren Landung nutzen kann, gibt es für das Betriebsteam indes einiges zu tun. Jetzt, im Winter, gilt es unter anderem, im Anlauf Eisknollen und Kanten zu eliminieren, vor jedem Training die Spur mit einer Fräsmaschine zu präparieren und im Landebereich für Schnee zu sorgen, der nicht zu eisig oder zu weich ist und keine Wellen aufweist. Bei Wettbewerben fallen zusätzliche Arbeiten an wie der Unterhalt eines Wettkampfbüros oder einer elektronischen Windmessanlage.
Auf den vier Schanzen kommen pro Jahr weit über zehntausend Sprünge zusammen.
Die Aussicht gibt’s gratis
Nein, langweilig wird es dem Nordic-Arena-Team nicht. Dafür sorgen zusätzliche Events im Schanzenbereich, bei denen auch Laien die steilen Hänge erkunden können. Im Sommer ist für die Anlage so zum Beispiel eine neue Mountain-Tubing-WM geplant, was bei Planung und Realisation wiederum einige Ressourcen binden dürfte. Ohne grossen Aufwand kommt in Kandersteg dagegen die schöne Aussicht hinzu: «Diese Bergwelt kann wohl sonst keine andere Schanze toppen», sagt Betriebsleiter Beat Ritter augenzwinkernd