«Die Bilder sprechen für sich»

 

Mit «The Singing Pilots» bringt der Verein Freilichtspiele Tellenburg ein wichtiges Kapitel der Adelbodner Geschichte auf die Bühne. Regisseur Mitja Staub erklärt im Interview, wie er dem Stück rund um internierte Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs Leben einhaucht.

Benjamin Haltmeier

Nach dem Mitja Staub bereits 2024 bei «Lötschberg – ein Tal im Aufbruch» Regie geführt hatte, nimmt er sich dieses Jahr einer weiteren historischen Materie an: Zwischen 1943 und 1945 wurden im Lohnerdorf unter anderem 600 amerikanische Offiziere und Unteroffiziere einquartiert. Die Internierten wohnten meist in den grossen Hotels, die während der Kriegszeit leer standen – für die Einheimischen eine grosse Chance, aber auch Quelle einiger Konflikte. Für die Umsetzung dieser spannenden Thematik konnte der Regisseur diesmal ein neues Stück von Ueli Bichsel nutzen: Der Mitbegründer der «Thuner Seespiele» hat als Autor bereits 21 Theaterstücke sowie 2 Musicals verfasst und liefert Staub nun die Vorlage für ein ebenso humorvolles wie denkwürdiges Spektakel. 

Herr Staub, was war die grösste Herausforderung bei der Umsetzung von Ueli Bichsels Werk?


Musik spielt in der diesjährigen Produktion sicher eine grössere Rolle als in den Jahren zuvor. Der Titel «The Singing Pilots» verrät ja bereits, dass singende Theaterleute auf der Bühne vorkommen. Für ein Laientheater passende Personen zu finden, welche bereit sind, vor jeweils 400 Besuchenden aufzutreten, war schwierig. Wir haben es aber geschafft – die fünf singenden Piloten sind bereit.

Wie sind denn die bisherigen Proben verlaufen?


Jedes Mal staune ich darüber, dass die SchauspielerInnen bereits zu Beginn ihre Texte können – das vereinfacht vieles. Mir ist wichtig, dass die Beteiligten wissen, welche Biografie hinter ihrer Rolle steht. Nur so können sie ihrem Part Leben einhauchen und möglichst authentisch spielen. 

Das eine sind die Menschen, das andere die Location: Wie verwandeln Sie den Frutiger Spielort für die Zeitreise in die 1940er-Jahre?


Bei einem Freilichttheater in dieser Grössenordnung ist es zentral, dass möglichst jeder Winkel integriert werden kann. Ueli Bichsel hat das Stück extra auf das Gelände zugeschnitten. Produktionsleiter Faustus Furrer kreierte mit seinem Team zudem ein Bühnenbild, welches sich sehen lassen kann und auf dem die Schauspielerei grosse Freude bereitet. 

Zurück zum Inhalt: Wie viel Fiktion steckt in der Handlung?


Natürlich ist die Geschichte schlussendlich fiktiv. Viele Aussagen und Begebenheiten sind aber so passiert und zu einer wunderbaren Geschichte zusammengefügt worden. Und das ist ja so spannend und schön: dass die Zuschauenden eine Geschichte zu sehen bekommen, die genau so hätte stattfinden können. Man wird also direkt in die Zeit zwischen 1943 und 1945 kapituliert.

Das Thema hat lustige, aber auch dramatische Seiten: Welches Genre dominiert bei den «Fliegenden Piloten»?


Bei aller Tragik, in welche diese Geschichte eingebettet ist, kommt der Humor nicht zu kurz. Es darf also herzhaft gelacht werden.

Einige der Internierten feierten, andere wollten fliehen, um ihren Einheiten zurückzukehren – zeigen Sie auch diesen Gegensatz im Theater?


Mir ist schon wichtig, dass dieser Kontrast sichtbar wird. Die Welten verschiedener Kulturen werden aber genauso gezeigt: Die Dorfbevölkerung hatte teils ihre Mühe mit der lockeren Art der Amerikaner. Das ist ebenfalls ein Punkt, welcher auf keinen Fall fehlen darf.

Wie können die Mehrsprachigkeit und die Menschenmassen auf der Bühne dargestellt werden?


Das Thema Mehrsprachigkeit hat Ueli Bichsel sehr gut gelöst: Ein Pilot kann zum Beispiel bereits Deutsch, weil seine Mutter eine Deutsche ist. Zudem ist das Englisch der anderen leicht zu verstehen. Beim zweiten Punkt stellen ganz viele Menschen die Dorfbevölkerung dar. Daraus entstehen wunderbare Massenszenen.

Es gibt immer wieder Gäste, die auf Spurensuche nach Adelboden reisen und sehen wollen, wo ihre Verwandten einst interniert waren. Ist das Stück auch für sie konzipiert?


Für Besuchende ohne deutsche Sprachkenntnisse ist es sicher nicht einfach. Ich würde aber behaupten, dass die Bilder für sich sprechen und alle Zuschauenden ganz viel auf der emotionalen Ebene mit nach Hause nehmen dürfen.

Wie viele Zeit werden Sie bis zur Premiere etwa in das Projekt investiert haben?


Das ist nicht so einfach zu beziffern, weil ich gedanklich immer wieder beim Stück bin, diese Zeit aber nirgends verbuche. Aber gegen 350 Stunden werden es schon sein.

Die singenden Piloten sind bereit. © dmd-productions
Hunderte Stunden investiert: Regisseur Mitja Staub. © dmd-productions
Auch die Dorfbevölkerung erhält ihren Part. © dmd-productions
Welten verschiedener Kulturen werden gezeigt. © dmd-productions
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«The Singing Pilots – und ein Dorf steht Kopf»

  • Spielort: Areal der Seeberger&Jordi AG beim historischen Bahnhof Frutigen
  • Premiere: 1. Juli 2026, danach 22 weitere Aufführungen bis 8. August.
  • Tickets: freilichtspiele-tellenburg.ch